
Totholz im Garten – Warum dieses unscheinbare Naturmaterial ein wahres Paradies für Insekten ist
Viele Hobbygärtner übersehen es – oder räumen es weg, weil es „unordentlich“ wirkt: Totholz. Doch genau dieses unscheinbare Holzstück, der alte Ast, die abgeknickte Stammhälfte oder ein paar zusammengelegte Äste können ein kleines Naturwunder auslösen.
Wenn du deinen Garten lebendiger, naturnaher und artenreicher machen möchtest, dann ist ein Totholzbereich eines der wirkungsvollsten und einfachsten Elemente, die du integrieren kannst. Und dazu braucht es nicht mal viel Platz.

Warum Totholz im Garten so wichtig ist
Totholz ist kein Müll – es ist Lebensraum, Nahrungsquelle und Schutz für unzählige Tiere. In unseren aufgeräumten Gärten verschwindet dieser natürliche Lebensraum jedoch immer mehr. Dabei erfüllt er gleich mehrere Aufgaben:
- Kostenloser Klimaschutz
Durch die langsame Verrottung wird CO₂ langfristig gebunden und nur sehr langsam wieder freigesetzt
- Unterstützt die Artenvielfalt
Seltene Insektenarten finden in Totholz ihre Brutstätten, Verstecke und Nahrung
- Wertvoll für den Boden
Das Holz zersetzt sich langsam und verbessert den Boden mit Nährstoffen und Humus
- Schützt kleine Tiere
Igel, Kröten oder Eidechsen nutzen Totholz als Unterschlupf oder Winterquartier

Welche Tiere und Insekten profitieren von Totholz?
Hier passiert mehr Leben, als man denkt! Besonders spannend ist, wie viele Arten das Holz in unterschiedlichen Stadien der Verrottung nutzen.
🐝 Wildbienen & Solitärwespen
Viele Arten nutzen Bohrgänge, Ritzen und alte Käfergänge für ihre Brut. Beispiele:
- Rote Mauerbiene
- Maskenbiene
- Holzbiene (sie liebt sonnenverwöhntes, dickes Totholz)
🐞Käfer – die Recycling-Profis
Besonders bekannt:
- Hirschkäfer (Larven leben bis zu 5 Jahre im Holz!)
- Nashornkäfer
- Bockkäfer
- Prachtkäfer
Sie zersetzen Holz, schaffen Höhlen und legen so den Grundstein für weitere Bewohner.
🦎 Reptilien und Amphibien
Eidechsen sonnen sich auf warmem Holz, Kröten und Molche verstecken sich in schattigen Hohlräumen.
🕷️ Spinnen & Asseln
Sie sorgen dafür, dass Schädlingspopulationen im Gleichgewicht bleiben.
Asseln und Tausendfüßer sind wichtige Zersetzer.
🐦 Vögel
Spechte, Kleiber und Meisen nutzen weiches oder morsches Holz als Futterquelle – denn darin wimmelt es vor Larven!

Welche Formen von Totholz kannst du im Garten nutzen?
Du musst nicht den halben Garten verwildern lassen – schon kleine Elemente haben große Wirkung.
1. Totholzhaufen
Einfach Äste, Zweige oder Stammstücke locker schichten.
Ideal am Rand des Gartens, unter Bäumen oder im Halbschatten.
2. Hochkant gestelltes Holz („Totholz-Stele“)
Sieht dekorativ aus und wird von Wildbienen gerne genutzt.
3. Liegende Stammstücke
Sie speichern Wärme, locken Käfer an und sehen in Staudenbeeten sehr natürlich aus.
4. Wurzelstöcke
Optisch ein Highlight – voller Hohlräume und Schattenplätze.
5. Unaufgeräumte Ecken
Mal ehrlich: Ein wenig Chaos tut gut. Lass einen Bereich bewusst natürlicher.

Tipps für dein perfektes Totholz-Biotop
- Sonne + Schatten mischen:
Manche Arten brauchen Wärme, andere Kühle
- Verschiedene Holzarten kombinieren:
Eiche verrottet langsam, Pappel sehr schnell – ideal für Vielfalt
- Nicht immer alles „aufräumen“:
Besonders im Herbst und Winter wichtig!
- Wasser in der Nähe erhöht die Artenvielfalt:
Ein Teich, eine Wasserschale oder ein Bachlauf wirken wie ein Magnet
- Totholz nicht fest auf den Boden pressen:
Locker schichten = mehr Lebensräume und bessere Durchlüftung


Fazit: Totholz macht den Garten lebendiger
Wenn du Artenvielfalt, schöne Beobachtungsmöglichkeiten und einen gesunden Boden willst, ist ein Totholzbereich eine hervorragende, kostenlose und natürliche Lösung.
Er wirkt vielleicht unscheinbar – aber er verwandelt deinen Garten in ein kleines Ökosystem, das sich selbst stärkt und belebt.

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